Reisebericht Alaska 2002
1. Tag
27.08.02
Lange haben wir gewartet, nun ist er endlich da, der ersehnte Tag. Wir flogen ab Muenchen um 07.10 Uhr nach Frankfurt. Dort hatten wir bis um 11:10 Uhr Aufenthalt, dann ging es weiter mit Thomas Cook nach Whitehorse. Auffallend waren die strengen Sicherheitskontrollen in Frankfurt fuer die Fluege in die USA/Kanada. Wir mussten bei der zweiten Kontrolle sogar die Schuhe ausziehen, die dann extra durchleuchtet wurden. Einer aelteren Dame wurde sogar in den BH geschaut. Einen Fensterplatz bekamen wir nicht mehr, aber mit meiner netten Nachbarin tauschte ich Reiseerlebnisse aus und so verging die Zeit buchstaeblich wie im Fluge. Wir landeten um 14:30 Uhr bei bewoelktem Himmel und ca. 16°C in Kanadas Yukon. Die Einreiseprozedur ging rasch von statten und das Gepaeck hatten wir auch schnell. Nach der obligatorischen Ankunftszigarette sahen wir uns nach einem Taxi um fanden aber einen gebuehrenpflichtigen Abholservice unseres gebuchten Hotels River View vor. Nach dem wir eingecheckt hatten und die Abholzeit durch den Wohnmobilvermieter fuer morgen mitgeteilt hatten, machten wir uns auf Entdeckungstour. Unsere mueden Knochen mussten auf Trab gehalten werden, daher liefen wir zuerst zur SS Klondike, einem alten Raddampfer am Yukon River.
Im Zelt daneben sahen wir einen Film aus der Zeit als der Dampfer noch Gueter und Menschen transportierte. Anschliessend machten wir eine Fuehrung durch das Schiff. Nun waren wir wieder etwas wacher und bummelten noch etwas durch die Stadt. Abends goennten wir uns ein Steak und als wir gezahlt hatten, fiel in der ganzen Stadt der Strom aus. Das machte uns aber nichts aus - unser Weg fuehrte nur noch ins Bett.
2. Tag
28.08.02
Die Nacht war um 06.00 Uhr zu Ende. Um die Zeit bis 11.00 Uhr zu nutzen, bummelten wir nach dem Fruehstueck noch durch die Geschaefte. Puenktlich wurden wir abgeholt und nach kurzer Fahrt waren wir bei CMH. Auf dem Hof standen nur zwei Truck Camper - fuer uns und noch ein Paar aus dem Hotel - sonst waren alle auf Reisen. Nach einer ausfuehrlichen Erklaerung und Erweiterung des Bettzeugs (bei unserer Buchung war nur eine Person angegeben) ging es auch schon los.
Zuerst natuerlich in den Supermarkt und dann in den Liquore Store. Wir fuhren auf dem Alaska Highway Richtung Haines Junction. Dort wollten wir eigentlich uebernachten, aber es war noch frueh am Tage, also entschieden wir noch ein Stueck weiterzufahren. Unterwegs deutete sich schon der Indian Summer an. Es bot sich ein schoener Ausblicke auf bunt gefaerbte Bergruecken. In Haines Junction konnten wir das wohl schoene Panorama der St. Elias Mountains nur erahnen, denn die Wolken hingen sehr tief. Unseren ersten Uebernachtungsplatz fanden wir dann im Cottonwood RV - schoen am Kluane Lake gelegen. Zu Abend sollte es Ravioli geben, aber der Buechsenoeffner streikte. Ralf ging einen ausleihen und so war das Abendessen gerettet. Ralf hat sich schon laengst unter unseren riesigen Bettdecken verkrochen, wie immer machte sich die Zeitverschiebung bemerkbar - ich folge ihm jetzt auch gleich.
3. Tag
29.08.02
Die erste Nacht im Camper haben wir gut verbracht. Ralf hatte vor die weissen Rollos Handtuecher gehaengt, so verdunkelt, schliefen wir bis 07:00 Uhr. Das Wetter wurde schoen, der Wind vertrieb die dunklen Wolken. Bei herrlichem Sonnenschein fuehrte unser Weg auf dem Alaska Highway Richtung Tok. Wir kamen an einigen Baustellen vorbei, die Strasse wird stellenweise verbreitert was ihr aber auch einiges an Urspruenglichkeit nimmt. Streckenweise gibt es aber auch noch Schlagloecher und manchmal wurden wir durchgeschuettelt wie in einer Achterbahn - das ist die Folge des Permafrostes, der Boden taut im Sommer stellenweise auf und es bilden sich Dellen. Vor dem Grenzuebertritt in die USA machten wir Mittagspause. Die Portionen waren so bemessen, daß noch mal zwei Leute davon haetten satt werden koennen - den Rest liessen wir einpacken.
An der Grenze bei Port Alcan mussten wir einen gruenen Zettel ausfuellen, 6 US Dollar loehnen und durften dann einreisen. In Tok kauften wir einen neuen Dosenoeffner und so etwas aehnliches wie Firestarter. Im Visitor Center informierten wir uns ueber die naechsten Reisestationen und bogen dann auf den Tok Cutoff. Nach ca. 16 Meilen erreichten wir den Eagle State Recreation Park. Schoen im Birkenwald gelegen aber leicht mueckenverseucht - gleich mal das OFF rausgeholt. Das Wetter ist jetzt nicht mehr so schoen - viele Wolken, aber wir sitzen noch ohne Jacke draussen und trinken das erste Bier. Nach dem Abendessen machte Ralf gleich das erste Feuer, wir hatten das letzte Buendel Feuerholz fuer 5,- Dollar (stolzer Preis zum Verfeuern) ergattert. Aber es einfach zu schoen, einfach dazusitzen und ins Feuer zu starren. Obwohl wir heute kaum einen Ort passiert haben und nur durch die Natur gefahren sind, sahen wir kein einziges Tier.
4. Tag
30.08.02
Bei den Vorbereitungen fuer unser Fruehstueck ging heute morgen erst mal der Feuermelder los - ein wahnsinnig nervtoetendes Gelaerme. Wir haben gut durchgelueftet und dann hatte sich das Ding wieder beruhigt. Unvorstellbar, wenn das in der Nacht passieren wuerde. Bei einigermassen Sonnenschein fuhren wir weiter auf dem Glenn Highway (Tok Cutoff) Richtung Gulkana, dann weiter auf dem Richardson Hwy. nach Copper Center. Der Himmel truebte sich wieder ein und stellenweise regnete es. Wieder konnten wir das grossartige Bergpanorama auf die Wrangell Mountains nur begrenzt geniessen. Kurz vor Copper Center haben wir uns im ganz neuen und schoen gestalteten Wrangell-St. Elias Nationalpark Headquarter ueber den morgen anstehenden langen Weg nach Mc Carthy informiert. Im Ort wollten wir eigentlich Diesel nachfuellen, aber die Tankstelle sah nicht sehr vertrauenserweckend aus. Copper Center ist uebrigens eine der aeltesten Siedlungen in diesem Gebiet - damals ueberwinterten hier die Goldsucher. Dann kamen wir an eine zugaengliche Stelle der Trans Alaska Pipeline die von Prudhoe Bay nach Valdez reicht.
Auf Schautafeln wird einiges zur Bauweise, Streckenfuehrung und die Auswirkung des Permafrostes erklaert. Anschliessend bogen wir auf den Edgerton Hwy. ab. Den Kenny Lake hatten wir als Uebernachtungsplatz auserkoren, der entsprach aber ueberhaupt nicht unseren Vorstellungen. Weiter ging's zu den Liberty Falls zu denen auch ein staatlicher Campground mit sage und schreibe 5 Stellplaetzen gehoert. Fuer 12 US $ schlugen wir hier in dieser idyllischen Umgebung unser Nachtlager auf. Abends kochten wir fuerstlich auf, es gab Haehnchenbrust mit Pilzen, Gemuese und Reis. Das Rauschen des Wasserfalls wird uns jetzt in das Reich der Traeume begleiten.
5. Tag
31.08.02
Heute morgen klingelte der Wecker um 06:45 Uhr - eigentlich viel zu frueh. Da wir die Mc Carthy Road nach Kennicott, ein ehemaliges Bergwerksdorf, fahren wollten standen wir lieber etwas frueher auf, da uns ein langer Weg erwartete. Bei Sonnenschein machten wir uns auf die Reise. Im malerisch verfallenen Minidorf Chitina (sprich Tschitna) hielten wir noch mal kurz an, bevor wir auf die Mc Carthy Road, die auf einer ehemaligen Trasse der Eisenbahn verlaeuft, fuhren. Durch einen engen Einschnitt im Fels begann die zunaechst noch sehr moderate Fahrt, was sich aber schleunigst aendern sollte. Wir erlebten eine Schotterpiste mit Schlagloechern und Waschbrettrillen - ein endloses Geruettel und Geschuettel begann. Mir wurde Angst und Bang, denn die Fahrt sollte gut 3 Stunden dauern - fuer ca. 100 km. Nach einer guten Stunde kamen wir zu Kuskulana Bridge mit einer Spannweite von 160 m in 177 m Hoehe, welche den gleichnamigen Fluss ueberspannte. Hier beschlossen wir, die Fahrt aufzugeben und umzudrehen.
Noch mal 2 Stunden, das haetten wir und vielleicht auch das Wohnmobil nicht ausgehalten. Auch unser Mietvertrag verbot diese Strecke eigentlich. Enttaeuscht kehrten wir um und ploetzlich kam uns der Weg gar nicht mehr so schlimm vor. Wir hielten noch mal am Copper River mit einem Ausblick auf die Fischraeder, die die Lachse einfangen sollten. In Chitna bestand die Moeglichkeit nach Kennicott zu fliegen, wie uns gestern begeistert eine Amerikanerin russischer Abstammung erzaehlte. Aber der Flug sollte erst am Nachmittag sein, was uns zu spaet war. Dann eben nicht!! Bei immer noch strahlendem Sonnenschein machten wir am Kenny Lake eine kleine Pause mit Kaffe und Kirschkuchen. Nun schlugen wir den Weg Richtung Valdez ein. Zuerst stoppten wir kurz an der Pumpstation Nr. 12 der Trans-Alaska Pipeline bevor es weiterging zum Worthington Gletscher. Hier wehte ein eisiger Wind. Zum Aufwaermen kletterten wir ein bisschen hoeher und naeher an die Eismassen.Nachdem wir ausgiebig gefilmt und fotografiert hatten, fuhren wir weiter ueber den Thompson Pass. Kurz vor Valdez sahen wir im Keystone Canyon noch zwei huebsche Wasserfaelle - den Bridal Veil und Horsetail Fall. In Valdez trauten wir unseren Augen nicht - hier standen massenweise Wohnmobile auf den Campingplaetzen. Hier war die Hoelle los - alles Angler. Auf dem CP Bear Paw bekamen wir einen Stellplatz fuer zwei Naechte . Vorteil: mitten im Ort und wir muessen nicht mehr fahren - Nachteil: direkt an der Strasse. Wir suchten dann erst mal das Visitor Center auf und spazierten anschliessend am Hafen entlang und schauten den Anglern zu wie sie den Fang des Tages (Silver Salmon) mal mehr mal weniger geschickt filetierten. Abends lud mich Ralf in den Pipeline Club zu hervorragendem Heilbutt und Steak ein - der Preis bleibt sein Geheimnis. In diesem Club nahm der Kapitaen der Exxon Valdez am Vorabend des Ungluecks seine Drinks ein. Eine heisse Dusche und ein Wuerfelspiel beendeten einen schoenen Tag.
6. Tag
01.09.02
Heute morgen liessen wir es ruhig angehen, wir schliefen laenger und fruehstueckten ausgiebig. Die als Regenloch beruechtigte Stadt praesentierte zwar dichte Wolken an den Berghaengen, aber die Sonne setzte sich durch. Erst gingen wir shoppen - Ralf erstand eine Jeans und eine aermellose Fleeceweste. Danach war Kultur angesagt. Wir besuchten das Valdez Museum, das den Goldsuchern, dem Erdbeben im Jahre 1964 und dem Tankerunglueck der Exxon Valdez 1989 (beide Katastrophen ereigneten sich uebrigens an einem Karfreitag) gewidmet ist. Wir verbrachten ca. 1 ½ Std. in dem ausfuehrlichen und informativen Museum. Im Bad Ass (!!) Café gab es dann Kaffee und Sandwich fuer uns - leider hatten wir vom letzten Mal nicht gelernt, eine Portion mussten wir wieder mitnehmen. Kultur die Zweite: Wir sahen in Old Town Photo Exhibit ein Modell des alten Valdez und einen Film ueber das damalige Erdbeben und die komplette Zerstoerung des Ortes durch mehrere Flutwellen (Tsunami). Am Hafen waren sehr viele Angler am Werk - wohl das sonntaegliche Vergnuegen der Einwohner und Touristen.
Einem Seeotter sahen wir bei seinem Treiben im Wasser zu. Dann machten wir noch eine kleine Tour mit dem Camper. Aber an das Pipeline Terminal kamen wir nicht nah genug heran um etwas zu sehen und an Old Valdez erinnerte nur noch ein Gedenkstein. An der Crooked Creek Salmon Spawning Area sahen wir den Lachsen beim Laichen zu. Sie kehren nach einigen Jahren im Meer an ihren Geburtsort zurueck um nach dem Laichen zu sterben. Anschliessend kauften wir noch ein Brot um dann vor dem Abendessen noch mal am Hafen entlang zu spazieren, denn das Wetter war immer noch herrlich. Neben Lachsen hatten einige Fischer heute auch vier kleinere Haie an Land gezogen, das lockte einige Zuschauer herbei. Spaet Abends gab es noch eine heisse Dusche, da vorher das warme Wasser nicht funktionierte.

7. Tag
02.09.02
Und wieder klingelte der Wecker, diesmal schon um 05.30 Uhr. Heute fuhren wir mit der Faehre nach Whittier - die hatten wir von zu Hause ueber Internet gebucht. Es war noch dunkel als wir uns kurz nach 06.00 Uhr in die Schlange der mitreisenden Fahrzeuge einreihten. Um 07.15 Uhr tuckerte die MV Bartlett los auf die 7-stuendige Reise durch den Prince William Sound. Das Wetter war feiertagsmaessig zum heutigen Labour Day - nur blauer Himmel. Zuerst staerkten wir uns bei einem Fruehstueck um dann auf dem Sonnendeck im Liegestuhl die Sonne zu geniessen (warm eingepackt natuerlich). Die weissen Punkte die nach einiger Zeit in der Ferne zu sehen waren, konnte ich zuerst nicht einordnen - es waren kleine Eisstueckchen, die im Wasser schwammen. Diese stammten vom Columbia Gletscher, der langsam in Sichtweite kam. Darauf waren wir eigentlich gar nicht eingestellt, da unserer Reisefuehrer berichtete, das das Schiff den halbstuendigen Umweg nicht mehr machen wuerde. Uns bot sich ein grandioser Anblick, blauer Himmel, eisbedeckte Berge und dazwischen der Gletscher, der bis ins Wasser ragt.
Die Bucht davor ist gefuellt mit Eis, das ist auch der Grund warum die Schiffe nicht mehr so nah an den Gletscher heranfahren. Aber wir waren auch so begeistert. Immer wieder kamen schneebedeckte Berge und Gletscher ins Bild. Seeloewen raekelten sich in der Sonne auf ihrem Felsen und an einem Vogelfelsen herrschte Hochbetrieb. Das war die reinste "Sehfahrt" - einfach wunderschoen. Whittier kam in Sicht ebenfalls umrahmt von Gletschern und ein heftiger Wind blies auf einmal. Der Ort selbst ist ziemlich haesslich, in drei grossen Wohnbloecken lebt fast die gesamte Bevoelkerung. Wir fuhren von Bord und schafften es gerade noch durch den 2,5 Meilen langen Tunnel, den Autos und Zuege nutzen koennen, allerdings nicht zeitgleich. Deshalb gibt es bestimmte Zeiten fuer die Fahrzeuge. Wer von der anderen Seite nach Whittier moechte, muss fuer die Tunnelfahrt 40$ berappen - ganz schoen happig. Nach kurzer Fahrt kam der naechste Gletscher in Sicht, der Portage Gletscher. Dort haben wir im Begich-Boggs Visitor Center den preisgekroenten Film "Voice of the Ice" gesehen. Als der Film zu Ende war, ging der Vorhang auf und gab die Sicht frei auf den Gletschersee und ein Gletscherpanorama. Allerdings nicht auf den Portagegletscher, der hat sich naemlich seit 1994 um einen Bergruecken zurueckgezogen. Kurz darauf erreichten wir auch schon den staatlichen CP Williwaw mit Blick auf die Berge und auf einen Gletscher - was sonst. Wir nutzten die warmen Sonnenstrahlen um noch etwas draussen zu sitzen - Ralf wurde muede und machte einen spaeten Nachmittagsschlaf. Die Sonne war bald hinter den Bergen verschwunden und so verzog auch ich mich in unser Mobil. Nach dem Abendessen drehten wir noch eine kleine Runde ueber den Platz, dabei kamen wir an einer Spawning Area der Lachse vorbei. Elche haetten wir auch gern gesehen, aber die liessen sich nicht blicken, leider. Jetzt sind wir schon fast eine Woche hier und hatten noch nicht die Zeit einmal in den mitgebrachten Buechern zu lesen.
8. Tag
03.09.02
Das Kaiserwetter hielt an, was haben wir fuer ein Glueck. Abfahrt war um 10.00 Uhr. Am Moose Flat Trail machten wir einen Morgenspaziergang, die Landschaft hier ist wie gemacht fuer Elche, nur eben die fehlten. Weiter gings durch herrliche Berglandschaft zum Exit Glacier. Vom Parkplatz aus gingen wir noch ca. 1 Km und dann noch mal so weit um ihn von einer hoeheren Position und etwas naeher betrachten zu koennen. Blau schimmernd erhob sich ueber uns der Gletscher, ein sehr schoener Anblick. Am Ufer des Schmelzwasserflusses machten wir Rast und genossen den Sonnenschein. Nach Seward, dem heutigen Ziel unserer Fahrt, war es nicht mehr weit. Heute stehen wir im Waterfront Park RV an der Resurrection Bay mit Blick auf die umliegenden Berge. Spaet nachmittags erkundeten wir das Staedtchen und blieben wieder bei den Fischern haengen und sahen ihnen beim Ausnehmen der Red Snapper und Halibuts zu. Unsere Gesichter hatten heute eine leicht rote Faerbung angenommen - kein Wunder bei dem Wetter! Tiere des Tages waren zwei Weisskopfseeadler.
9. Tag
04.09.02
Wir schlafen sehr gut im Alkoven, um 08:30 Uhr sind wir erst aufgewacht - nach 10 Stunden Schlaf. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff "Carnivale Spirit" lag heute morgen im Hafen. Die Groesse so eines schwimmenden Hotels wird einem neben den klein wirkenden Haeusern und Booten erst so richtig bewusst. Ganz so schoen war es nicht mehr, viele Wolken am Himmel, aber die Sonne kam dann doch durch. Zuerst stand ein Besuch des Alaska Sealife Centers auf dem Programm. Das Ozenarium bietet einen Ueberblick der Unterwasserwelt Alaskas. Seevoegel wie die Puffins und Kittiwakes haben wir bei der Fuetterung beobachtet.
In einem Wassertank haben wir Seesterne und Seeanemonen "gefuehlt" und den Seeloewen und Robben bei ihren Unterwasser-Aktivitaeten zugesehen. Insgesamt ein ruhiges Museum mit wenig groesseren Tieren dafuer viele Infos zum Leben im Meer - hat uns gefallen. Nach einem Imbiss, einem kurzen Stop beim Tanken und Einkaufen fuhren wir am fruehen Nachmittag ein Stueck zurueck bis Tern Lake Junction und dann weiter auf dem Sterling Hwy. ueber Soldotna nach Kenai (sprich Kienai). Wir stehen auf dem Beluga Lookout RV der etwas Hinterhofcharme versprueht, aber die Aussicht ueber das Cook Inlet und die Gletscherkulisse der Alaska Range ist Entschaedigung genug. Die Gegend hier hat nicht so viel zu bieten. Wir machten einen Spaziergang zur aeltesten noch erhaltenen russisch-orthodoxen Kirche in Alaska, der Holy Assumption of the Virgin Mary von 1896 und zur St. Nicholas Kapelle. Vom Campingplatz konnten wir spaeter noch 5 - 6 Belugawale sehen, allerdings etwas zu weit weg fuer genauere Beobachtungen.

10. Tag
05.09.02
Das heutige Tagesziel heisst Homer. Bei leichtem Regen starteten wir gegen 09:30 Uhr zuerst auf der Kalifornsky Beach Road die dann wieder auf den Sterling Hwy stiess. Das Wetter war bescheiden, die Wolken hingen sehr tief. In Ninilchik, einem etwas heruntergekommenen Doerfchen, fotografierten wir die huebsche russisch-orthodoxe Kirche. Dann kamen wir nach Homer, der "Halibut Fishing Capital of the World". Von einem Aussichtspunkt hatten wir einen schoenen Ausblick auf die Kachemak Bay, umrahmt von Bergen. Zuerst fuhren wir auf den Spit - einem Landstreifen, der 7 km in die Bay hineinragt. Hier befindet sich der Hafen, einige Restaurants, Bootstourenanbieter und ein Campingplatz.
Im Sommer soll es hier von Touristen nur so wimmeln - jetzt ist es relativ ruhig. Die Landschaft aussen herum ist sehr schoen, aber die Nahsicht ist nicht so prickelnd. In einem netten Restaurant gab es fuer mich heute Muschelsuppe - war fein. Bevor wir etwas fuer die Bildung taten, tranken wir im netten Cafe Cups einen Cappuccino. Danach waren wir im Pratt Museum, das hauptsaechlich ueber die fruehen Bewohner der Aleuten, heimisches Getier und die Oelkatastrophe informierte. Wir sahen einen interessanten Film ueber die Saeuberungsaktionen an Tier und Umwelt nach dem Tankerunglueck. Man kann nur hoffen, dass nie wieder so etwas passiert. Eigentlich wollten wir nachmittags nach Halibut Cove, ein kleines Kuenstlerdorf. Dorthin gelangt man nur per Boot. Wie sich dann aber herausstellte faehrt jetzt kein Boot mehr hin - End of Saison. Im "Fish hole", durch einen Damm mit Aussparung vom Meer getrennt, kann jeder Petrijuenger sein Glueck versuchen. Die Fische sprangen zwar wie verrueckt, aber oftmals nicht an die Angel. Wir waehlten den Campingplatz auf dem Spit als Uebernachtungsort, denn die anderen CP's in Homer sagten uns nicht zu. Beim abendlichen Wuerfeln hatte ich keine Chance gegen Ralf.

11. Tag
06.09.02
It rains Cats and Dogs, aber erst nachdem wir Homer hinter uns gelassen hatten. Morgens sahen wir einen Bald Eagle bei Ebbe am Strand sitzen. Auf dem CP wohnt auch die Eagle Lady, die hier jeden Winter die Weisskopfseeadler durchfuettert. Ihre Behausung, bestehend aus zwei alten Wohnwagen mit etwas Gruen drumrum, sieht eher skurril aus. Nachdem wir unsere Vorraete aufgefuellt hatten, ging es auf der bekannten Strecke wieder zurueck bis Girdwood. Dort besuchten wir die Crow Creek Mine, ein Goldgraebercamp aus dem Jahre 1898. Acht alte Blockhuetten und eine Goldwaschanlage zeigen das Leben aus der damaligen Zeit. Hier ist auch Alaskas groesstes Skigebiet, die Strassen tragen Namen wie Innsbruck, Garmisch usw. Ein Muss lt. der Milepost ist "The Bake Shop", dort tranken wir Cappuccino und kauften Brot. Es regnete immer noch. Am Turn Again Arm entlang fuhren wir noch eine kurze Strecke bis der CP Bird Creek State Area erreicht war. Um mal wieder auf dem neuesten Stand zu sein, hatten wir eine Zeitung gekauft. Die Amerikaner bereiten sich langsam auf den Jahrestag des 11. Septembers vor. Gnaedigerweise hoerte es dann auf zu regnen und wir konnten doch noch unser Holz verfeuern. Das Abendessen fiel aus, nachdem wir eine ueppige Brotzeit am spaeten Nachmittag hatten.
12. Tag
07.09.02
Ich sag nur eins: Endlich Elche!! Doch davon spaeter mehr. Heute Morgen war das Wetter wesentlich besser als gestern, ein paar blaue Flecken waren am Himmel zu sehen. Nach Anchorage war es nicht mehr weit, deswegen hatten wir es auch gar nicht so eilig. Unterwegs hielten wir kurz um die Bergziegen auf einem Felsen zu beobachten und am Beluga Lookout, von dem auch die Belugawale zu sehen sind, wenn sie denn da waeren. Hier hatten wir auch einen schoenen Blick auf den Turn Again Arm bei auslaufender Flut. In Anchorage suchten wir uns einen Parkplatz und dann gingen wir bummeln. Im Visitorcenter erkundigten wir uns nach der Buchung fuer Bustickets und Campingplatz im Denali Park.
Da aber die Computer ausgefallen waren, ging nichts. Mittag gab es bei Burger King in der Fressmeile einer Mall an der 5th Avenue. Da es auf einmal sehr warm und sonnig wurde, beschlossen wir die Sonnenstrahlen in einem Strassencafe zu geniessen. "Two Cappuccino" bestellten wir und bekamen dann 2x Chilli, was allgemeine Erheiterung bei unseren Tischnachbarn ausloeste. Sofort kamen wir mit Bruce und seinem Sohn Eric aus Anchorage ins Gespraech. Die Amerikaner sind da ja ganz locker, wir hoerten seine halbe Lebensgeschichte und natuerlich war auch er schon mal in Deutschland. Das naechste Ziel sollte das Alaska Native Heritage Center sein, aber dazu mussten wir noch ein Stueckchen fahren. Als wir von der Strasse abbogen sahen wir einen Elch, konnten aber nicht anhalten. Also umdrehen und wieder zurueck, damit wir das lange ersehnte Tier filmen und fotografieren konnten. Endlich!! Aber es sollte noch besser kommen. Wir checkten erst auf dem nahegelegenen CP Anchorage RV Park ein um dann zu dem Museum zu laufen. Kann ja gar nicht so weit sein, dachten wir. Als wir vom CP auf die Strasse gingen, da stand der Elch mitten auf dem Radweg. Ich war feige und traute mich fast nicht weiter zugehen (wer weiss wie das Tier reagiert?) Ralf ging aber immer forsch voran. Der Elch verzog sich ins Gebuesch und bis wir dorthin kamen, hatte er sich vermehrt, es waren zwei weibliche Tiere. Wir waren begeistert, nur war uns jetzt der Weg zum Museum abgeschnitten. Wir wichen auf eine Seitenstrasse aus, rein ins Gebuesch und beobachteten von dort die Elche wie sie das Gruenzeug von den Bueschen abrupften. Tja, da mussten wir bis Anchorage fahren um Elche am Stadtrand zu sehen. Nach grosszuegiger Umrundung der Tiere gingen wir den urspruenglichen Weg weiter, aber ab jetzt immer mit einem Blick in den Wald hinein. Wir liefen und liefen, aber es kam kein Museum. Wir machten kehrt Marsch, die Elche standen immer noch dort. Sie liessen sich weder von uns noch von den vorbeifahrenden Autos stoeren. Wir goennten uns noch ein paar Sonnenstrahlen bevor die naechste dicke Wolke sich ausschuettete. Das war ein sehr schoener Tag heute.

13. Tag
08.09.02
Nach dem Fruehstueck versuchte Ralf erst mal telefonisch eine Bustour und einen Campingplatz im Denali Park zu reservieren. Es klappte alles - fuer Dienstag. Unsere heutige Tour fuehrte uns zuerst nach Palmer, zur Musk Ox Farm. Waehrend einer Fuehrung bekamen wir hier alles wissenswerte ueber die zotteligen Urviecher mitgeteilt. "Qiviut", heissen die feinen Haare, die den Tieren per Hand ausgekaemmt werden. Daraus werden dann von den Eskimofrauen Muetzen, Schals usw. hergestellt - in Handarbeit. Dies hat allerdings auch seinen Preis. Zum Schluss hielten wir noch ein Schwaetzchen mit einem aelteren Ehepaar aus Kalifornien, Tom und Barney. Durch das schoene Matanuska-Susitna Tal auch Mat-Su Valley genannt, ging die Fahrt dann weiter. Die herbstliche Faerbung der Baeume war hier schon weiter fortgeschritten und es leuchtete gelb und rot. Bei Sonnenschein eine wahre Pracht. Ploetzlich kam der Matanuska Gletscher in Sicht und von einem Aussichtspunkt an der Strasse bot sich ein toller Anblick auf den weiss blau leuchtenden Gletscher zwischen der herbstlichen Umgebung.
Eine Schotterstrasse fuehrt den Berg hinab bis zum Parkplatz. Allerdings ist die Gebuehr dafuer nicht von schlechten Eltern, 16 $. Aber es lohnt sich. Wir liefen ein Stueck und suchten uns einen Weg durch das Eis (Ralf wuerde sagen: Martina "eierte" durchs Eis). Ganz unrecht hat er nicht, so wohl fuehle ich mich bei so unwegsamen Gelaende nicht. Wir fanden einen einigermassen gangbaren Weg und konnten noch sehr schoene Aufnahmen von der weissen Pracht machen. Wir fuhren den Weg wieder zurueck und das Wetter spielte April - mal Regen mal Sonne. In Palmer tankten wir auf und fuhren die Hatcher Pass Road zur Independence Mine, ein verlassenes Minendorf. Da es kurz geregnet hatte, sahen wir einen farbenpraechtigen Doppelregenbogen im Tal. Der erste Teil der Strasse ist asphaltiert, dann kommt eine Schotterstrasse, die aber gut zu befahren ist. In der Mine wurde von 1938 - 1943 Gold gefoerdert, heute ist das Dorf ein State Historical Park. Es wird versucht, die Gebaeude wieder herzustellen - bei einigen ist das bereits gelungen andere sind komplett verfallen. Wir machten eine self-guided Tour und dann meldeten sich unsere Maegen. Jetzt wurde es aber Zeit fuer ein Abendessen. Am Finger Lake CP angekommen, habe ich erst mal was gekocht waehrend Ralf das Feuer anheizte. Die Umgebung ist sehr huebsch - nette Haeuschen am Wasser und davor parkten die Wasserflugzeuge. Nicht nur wir wollten essen auch die Enten, die ploetzlich vor unserem Wohnmobil auftauchten. Ralf verfuetterte unser altes Brot. Ausser uns war nur noch ein Womo da, so einsam war es noch nie.
14. Tag
09.09.02
Die Muellabfuhr weckte uns heute morgen kurz vor 08.00 Uhr, muss auch gemacht werden. Unser Weg fuehrte uns heute zuerst nach Wasilla, d.h. es war nicht so einfach die richtige Strasse zu finden, wir verfuhren uns erst mal. In Wasilla ist das Headquarter des Iditarod Schlittenhunderennens beheimatet. Kurz zur Geschichte: Das beruehmte Rennen, das in Anchorage startet und nach 1688 km in Nome endet, hatte seinen Ursprung 1925 als in Nome eine Epidemie ausbrach. Da nicht genug Serum vorhanden war und wegen Winterstuermen kein Flugzeug starten konnte, brachten Schlittenhundeteams das Medikament in den Ort. Eine Ausstellung ist den Siegern der Rennen seit den 60er Jahren gewidmet. Ein Souvenirladen durfte natuerlich auch nicht fehlen, in den kurze Zeit spaeter eine ganze Busladung einfiel. Wir drehten eine kleine Runde durch den Wald mit einem vierraedrigen Gefaehrt, gezogen von 8 Hunden. Ganz schoen flott die Tiere - nur der Geruch ist nicht so angenehm. Ein Hundebaby hatte es uns angetan - das putzige Kerlchen verwechselte meinen Daumen mit der Milchflasche. Weiter ging es auf dem George Parks Hwy. nach Talkeetna. Das ist ein kleines Nest, von dem die Teilnehmer an Mc Kinley-Besteigungen zu ihrem Ausgangspunkt geflogen werden.
Apropos Mt. Mc Kinley (auch Denali genannt) er hatte sich so in Wolken gehuellt, das rein gar nichts von ihm zu sehen war obwohl ansonsten schoenster Sonnenschein war. Im urigen Roadhouse bestellten wir ein sehr spaetes und riesiges Fruehstueck. Dann nahmen wir den Rest der Strecke bis zum Denali Park in Angriff. Die Baeume und Straeucher wurden wieder herbstlicher und die Strasse schraubte sich langsam hoeher. Wir kamen ueber einen Pass, die Baeume waren weg und nur noch Tundralandschaft war zu sehen. Ausserdem blies ein eisiger Wind. Danach ging es wieder in tiefere Regionen und hier waren auch die niedrigeren Berge schon leicht schneebedeckt. Im Visitorcenter holten wir unsere Bustickets fuer morgen und suchten dann auf dem Riley Creek CP einen freien Stellplatz. Hier gab es keinen Strom, das hiess vorsichtig heizen, da der Luefter der Heizung viel Strom verbraucht. Nach dem Essen drehten wir noch eine Runde um den Platz. Ich bewunderte die Leute, die im Zelt uebernachteten, das waere nicht das meine. Das Thermometer sank, abends um 21.00 Uhr hatte es 3,6 °C, brrrr. Den Wecker stellten wir fuer morgen frueh um 06.45 Uhr, damit wir unsere Tour um 08.30 Uhr nicht verpassen. Warm eingepackt ging es dann ins Bett.
15. Tag
10.09.02
1,3 °C zeigte das Thermometer heute morgen um 07.00 Uhr. Das Fruehstueck verlief nicht so gemuetlich wie sonst, da ich noch die Verpflegung fuer den Tag zubereiten musste. Dick vermummt, mit allem was der Kleiderschrank so hergab incl. Schal und Handschuhe liefen wir zur Bushaltestelle. Von hier aus brachte uns ein Shuttlebus zum Ausgangspunkt unserer Tour. Da standen wir nun und waren gespannt was der Tag so bringen wuerde. Unser Reisefuehrer erzaehlte da so gruselige Sachen wie unbequeme Busse, nervige Busfahrer und Ruettelstrecke. Puenktlich um 08.30 Uhr fuhr der gruene Schulbus fast vollbesetzt los. Die Plaetze waren nicht so unbequem wie befuerchtet. Da die Scheiben immer beschlugen wischten alle Fahrgaeste erst mal eifrig die Fenster. Nach kurzer Zeit kamen wir in eine Winterlandschaft, alles war leicht mit Schnee bedeckt. Im Gebuesch waren dann auch schon zwei Elche zu sehen, allerdings nicht nah genug fuer die Kamera. Am Teklanika River, unserem ersten Halt, sammelten sich alle Busse, weil die Strasse die wir weiter fahren sollten, gesperrt war. Da es ja nachts geschneit hatte, war nicht sicher wie die Verhaeltnisse weiter oben waren - denn es galt noch drei Paesse zu befahren. Die Strasse wurde dann doch geoeffnet und weiter ging die Fahrt ueber den Sable Pass auf einer gepflegten Schotterstrasse. Am Polychrome Overlook hatten wir wunderschoene Ausblicke auf die schneebedeckten Berge und das bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Auch der Mt. Mc Kinley (6194 m hoch) zeigte sich von seiner Schokoladenseite, kein einziges Woelkchen war zu sehen.
Dieses Glueck ist rar, aber wenn Englein reisen!! Ploetzlich ein Aufschrei: Ein Baer - und da lief tatsaechlich ein Grizzly den Abhang hinunter. Weiterhin sahen wir Dallschafe, die aber nur aus groesserer Entfernung und Karibous, zwei hatten die Koepfe gesenkt und sind aufeinander losgegangen. Der Busfahrer, Richard, uebrigens ein sehr grosses Lob an ihn (viele Erklaerungen zur Vegetation, Tiere und Berge) forderte uns auf die Augen zu schliessen, er zaehlte von 15 Sec. runter und wenn wir dann die Augen oeffnen, haetten wir den ultimativen Blick auf den Mt. Mc Kinley. So war es dann auch, einfach gigantisch. Einen schlafenden Baeren sahen wir noch und als die Endstation, das Eielson Visitor Center in Sicht kam, lief ein grosser Grizzly in guter Sichtweite von uns ueber den Schnee. Alles war hell auf begeistert. Wir legten hier eine Pause ein, sahen den Denali hinter einer grossen Wolkenwand verschwinden und nach ca. 45 min. ging es wieder zurueck. Wieder ein Grizzly, wahrscheinlich der gleiche von vorhin, er lief direkt auf der Strasse vor 2 Bussen und einem Auto. Er liess sich nicht stoeren und lief dann wieder in den Schnee. Es war warm im Bus, wir waren happy und vor lauter Schauen und Nichtstun wurden wir so muede, dass uns die Augen zufielen. Wir hielten spaeter (als wir wieder fit waren) auf einer Anhoehe, unten im Fluss standen 5 Karibous und ploetzlich kam ein Elch zum Vorschein. Ein stattliches Exemplar mit grossen Geweih durchquerte den Fluss. Ein Weile spaeter konnten wir noch mal ein so grosses Tier bewundern. Tja, und nun war die Fahrt zu Ende, es war ca. 17.00 Uhr. Es wird uns als ein unvergesslich schoener Tag im Denali Park in Erinnerung bleiben. Wir liefen zum Campground zurueck, schmissen den Truck Camper an und fuhren zum Duschen. Zu Abend gab es die guten Ravioli aus der Dose. Nun sitz ich hier, die Temperatur faellt auf grad mal 1,6 °C und bin froh endlich mal den aktuellen Tag in unserem Tagebuch fertig geschrieben zu haben.
16. Tag
11.09.02
Heute morgen hatte es nur 0,4 °C, ich denke, das ist das Rekordtief unserer Reise. Es war nicht mehr schoen, dunkle Wolken verduesterten die Gegend. Der Denali Hwy stand auf unserem Programm und wie wir schon oft gehoert hatten, soll es eine wunderbare Strecke sein. Der Haken an der Sache ist, das die gut 217 km lange Strecke bis auf das Endstueck Richtung Paxson nur aus Schotter besteht. Das wohl schlimmste Stueck kam auch gleich am Anfang, geruettelt hat es ohne Ende, Schlagloch an Schlagloch - die Mc Carthy Road laesst gruessen. Aber wir hielten durch. Die Strasse war kaum befahren, abgesehen von den Jaegern die mit ihrem ganzen Equipment seitlich der Wege parkten (dazu gehoert auch immer so ein vierraedriges Rasenmaehergefaehrt (ATV) an dem die Plastikbehaeltnisse fuer die Gewehre haengen). Ab dem 01.09. ist hier die Jagdsaison eroeffnet. Das Wetter besserte sich nicht, es regnete auch ab und zu. Schade, denn bei Sonnenschein wuerden die Herbstfarben, die sehr intensiv waren, noch mehr leuchten.
Von der Strasse aus konnten wir Karibous, die am Wasser standen, beobachten und zwei Weisskopfseeadler, die ueber dem Gebiet kreisten. Ein Stueckchen weiter sammelten sich viele Karibous. Das hatten auch Jaeger gesehen, sie packten die Gewehre aus und zielten von der Strasse aus auf die Tiere - geschossen haben sie aber nicht. Wenn schon jagen, dann aber nicht von der Strasse aus - wir glauben, das dies auch verboten ist. Wir erreichten den McLaren Pass mit 4086 ft. und hier schneite es, erst leicht, dann immer heftiger. Die Berghaenge waren schon weiss, auf der Strasse blieb der Schnee Gott sei Dank nicht liegen. Ein Bald Eagle sass da mitten im Schneegestoeber und schaute grimmig in die Gegend. Als Ralf ihn fotografieren wollte, flog er weg. Durchgeschuettelt erreichten wir den Tangle Lake CP, der ausnahmsweise kostenlos ist. Jetzt ist Lesestunde angesagt, denn bei dem mistigen Wetter gehen wir nicht mehr raus.
17. Tag
12.09.02
Wir verliessen heute morgen diesen windigen Ort und es hatte aufgehoert zu regnen. Die Schotterpiste hatte ein Ende, wir hatten wieder Asphalt unter den Raedern. Ein gutes Gefuehl. Wir sahen ein Karibou die Strasse kreuzen und mehrere Habichte und Weisskopfseeadler, die wohl die Ueberreste der Jaeger aufpickten. Als wir talabwaerts fuhren, begegnete uns auch die Trans-Alaska Pipeline wieder, die sich am Hang entlang schlaengelte. Mittlerweile hat es auch wieder angefangen zu regnen, ohne geht es scheinbar nicht. Im windigen Delta Junction legten wir einen Stopp ein um den Marker, der das Ende des Alaska Hwys darstellt, abzulichten. Im Visitor Center trafen wir eine Deutsche, die hier schon seit einigen Jahren verheiratet ist. Wir fragten sie aus ueber Land und Leute. Richtung Fairbank besserte sich das Wetter allmaehlich. In Rikas Roadhouse machten wir eine Sandwich-Pause. Dem Roadhouse ist auch ein kleines Museum angeschlossen, das ueber die Zeit des Goldrausches und der Entstehung dieser Raststaette um 1910 berichtet. Ueber den Tanana River verlaeuft die Pipeline in einer brueckenaehnlichen Konstruktion. Nach kurzer Fahrt hielten wir am "The Knotty Shop", kauften zwei Eis und sahen uns im Laden um; hier gibt es alles Moegliche aus Holz. Nun beschlossen wir auch Fairbanks links liegen zu lassen und zu den Chena Hot Springs zu fahren. Das waren zwar noch mal 100 km extra, aber uns war mehr nach Baden als nach Stadt. Die etwas huegelige Strasse fuehrte immer durch den Wald und hier konnten wir schon wieder Elche sehen, eine Mutter mit Kind. Hatte sich der Weg doch schon gelohnt.
Jaeger waren auch in der Naehe, aber wie wir heute gelernt hatten, duerfen die nur Bullen mit einer gewissen Geweihgroesse schiessen. Trotzdem kriege ich bei dem Anblick der Jaeger einen dicken Hals. Am Ende der Strasse lagen dann die Chena Hot Springs. Hier gibt es eine Start-/Landebahn fuer Flugzeuge, Hotel, Agentur fuer diverse Freizeitbeschaeftigungen und einen Campingplatz. Auf dieser etwas primitiven Anlage (ohne alles) liessen wir uns nieder. Bei einem kleinen Rundgang sahen wir schon wieder eine Elchmutter mit Kalb. Wir packten unser Badezeug und gingen in die Hot Springs. Den Pool im Inneren kann man getrost vergessen, aber draussen im so genannten "Rock Pool" konnten wir es gut aushalten und es war angenehm warm. Nachdem wir uns genug entspannt hatten, gab es Abendessen und einen Wuerfelsieg fuer mich. Da Ralf seine "Dopingmittel", sprich MM's und geschaelte Karotten ausgegangen sind, kann er nicht mehr gewinnen, sagt er.
18. Tag
13.09.02
Eigentlich wollten wir gleich heute morgen noch vor dem Fruehstueck in die Hot Springs gehen, aber angesichts der Temperatur von kaum ueber Null Grad liessen wir das lieber sein. Stattdessen liessen wir uns im Hotel mal beim Fruehstueck bedienen. Einige Japaner sind hier im Hotel abgestiegen. Die hatten wir auf unserer Reise noch nicht oft gesehen. Bevor wir losfuhren fotografierten wir noch den dampfenden Pool im Morgenlicht; ein schoenes Bild. Das naechste Ziel sollte die Golddredge Nr. 8 sein. Hier verlangten sie so horrende Preise, das wir von einem Besuch abstand nahmen. In North Pole stockten wir unsere Vorraete fuer die letzten Tage auf. Die Attraktion hier im Ort ist das Santa Claus House, in dem es kitschige Weihnachtsdekoration und auch sonst allerlei Schnickschnack gab. Auch wenn hier der "Weihnachtsmann" wohnt und bunte Zuckerstangen an die Besucher verteilt, muss man nicht unbedingt hier gewesen sein.
Die Fahrt ging weiter ueber Delta Junction Richtung Tok auf dem Alaska Hwy. Die Strecke zog sich etwas eintoenig dahin bis ein Stein in die Windschutzscheibe einschlug. Ein Auto hatte uns kurz vor einer beginnenden Splitstrecke ueberholt und schon war es passiert. Das kostet uns 300,- Can$. Jetzt sind wir so weit gefahren und kurz vor Ende des Urlaubes muss das noch passieren, einfach aergerlich. In Tok angekommen, waehlten wir den grossen CP Tok RV Village, denn wir brauchten unbedingt mal wieder Strom fuer die Kamerabatterien. Der Urlaub naehert sich unaufhaltsam seinem Ende entgegen und es ist wie jedes Jahr - wir koennten noch ein bisschen dableiben. Ab da hier der Winter nicht mehr so fern ist, ist es schon gut so wie es ist.

19. Tag
14.09.02
Bei schoenstem Sonnenschein fuhren wir morgens los - Ziel: Dawson City. Bei Tetlin Junction bogen wir auf den Taylor Hwy ab. Vom 1700 m hohen Mount Fairplay hatten wir schoene Ausblicke auf die schneebedeckte Alaskarange. Auch die Jaeger waren mal wieder unterwegs, wir erkannten sie an den langsam fahrenden Autos. Hier zieht im Fruehjahr und Herbst eine grosse Karibouherde durch; auf die hatten sie es wohl abgesehen. Kurz vor dem Minikaff Chicken wurde die Strasse zur Schotterstrecke, war aber gut zu befahren. Im Oertchen mit drei Haeusern (Souvenirladen, Bar und Restaurant) gab es nicht viel zu sehen, aber ein Foto ist es allemal wert. In der Bar betrachteten wir die Huete und Karten der vielen Besucher; draussen lief auch der dreibeinige Hund Tucker rum. In einer Holzhuette lag nur noch der Kopf eines Karibous, alles fast wie im richtigen Leben. Als wir wieder losfuhren, sahen wir ein Porcupine (so'ne Art Stachelschwein) es verschwand aber schnellstens im Abflussrohr unter der Strasse. Die Fahrbahn wurde schmaler und es ging durch Berg und Tal. Auch die Goldwaescher waren hier aktiv, am Bach stand die Old Jack Wade Dredge No. 1 und rostet in Wuerde vor sich hin. Dann kamen wir auf den Top of the World Highway, mit schoenen Ausblicken auf Berge und herbstliche Taeler. Wir erreichten die Grenze und Kanada hatte uns wieder.
Nach so viel Gegend, kamen wir nach Dawson City, in die Stadt des Goldes. Wir setzten mit der kostenlosen Faehre ueber den Yukon River. Weil wir heute Abend noch in Diamond Tooth Gerties Spielkasino gehen wollten, nahmen wir den zentral gelegenen Goldrush RV. In der Stadt selbst war es wie ausgestorben, kaum noch Touristen, und einige Laeden hatten fuer dieses Jahr schon geschlossen. Wir bemerkten viele gut gekleidete Leute, die Damen im Abendkleid, die Herren in der Uniform der Mounted Police. Und alle gingen sie zum Spielkasino. Das kam uns spanisch vor und wir fragten in der Visitor Info nach was heute Abend los ist. Ausgerechnet heute war das Casino geschlossen wegen Feierlichkeiten der Mounted Police. Pech fuer uns. Dafuer gingen wir dann in Klondike Kate's Restaurant zum Lachsessen. Irgendwo musste das fuer den Spielabend eingeplante Geld ja hin.
20. Tag
15.09.02
Die Stunde die wir gestern durch den Zeitzonenwechsel verloren hatten, machte sich heute morgen bemerkbar. Wir wachten naemlich spaeter auf als sonst. Die Saison ist hier wirklich bald zu Ende, auch dieser Campingplatz macht am Donnerstag zu. Zuerst hielten wir kurz an Jack Londons Huette, war aber auch geschlossen (Ralfs Kommentar: Genug Kultur). Dann probierten wir unser Glueck am Bonanza Creek. Dort wollten wir Goldwaschen - aber auch hier war schon alles zu. Dafuer sahen wir wenigstens die groesste Holzdredge Nordamerikas No. 4 - ein wirklich riesiges Ungetuem. Diese Maschinen haben die ueberall zu sehenden Bandwuermer aus Geroell hinterlassen. Die Fahrt ging weiter nach Stewart- und Pelly Crossing - eher unspektakulaer. Die Baeume hatten teilweise schon das Laub verloren und 1995 wuetete in der Gegend ein grosses Feuer, das jede Menge Wald vernichtete. Kurz nach unserem heutigen Campingplatz, dem Tatchum Creek, warfen wir einen Blick hinunter auf die Five Finger Rapids im Yukon.
Diese Felsen haben der frueheren Schifffahrt oft Probleme beim Durchqueren des Flusses bereitet. Ganz alleine standen wir heute Abend auf dem CP, ein Bach plaetscherte vorbei und die Biber haben auch ihre Spuren hinterlassen. Ralf nutzte die Gelegenheit noch mal ein Feuer anzuzuenden und ich briet eine Huehnerbrust fuer unser Abendessen. Am spaeteren Abend sassen wir noch am Feuer - dieses mal gab es umsonst Feuerholz. Ein Biber schwamm zweimal vorbei um dann beim dritten mal mit einem grossen Ast zurueckzukehren. Da sass er dann in bester Sichtweite von uns auf einer Sandbank und verspeiste die Rinde. So ging ein wunderschoener Abend zu Ende bevor wir morgen mit Packen und Putzen loslegen muessen.
21. Tag
16.09.02
Die letzte Nacht war sibirisch. Trotz Heizung war es frostig. Als Ralf morgens Kaffee kochen wollte, war das Gas alle und zu allem Ueberfluss hatten wir ueber Nacht die Dachluke sperrangelweit offen gelassen. Kein Wunder dass uns nicht warm wurde. Schnell zogen wir uns an um der Kaelte zu entfliehen - die Sonne strahlte schon bei fast blauem Himmel. In Carmacks fuellten wir das Gas nach, nur fruehstuecksmaessig sah es hier allerdings schlecht aus. Wir fuhren noch ca. 50 km bis zur Braeburn Lodge, die bekannt fuer ihre grossen Zimtschnecken ist. Dort leisteten wir uns ein opulentes Fruehstuecksmahl. Die Takhini Hot Springs kurz vor Whitehorse sollten unsere letzte Station sein. Aber hier war Montag bis Mittwoch geschlossen, so ein Mist. In Whitehorse hatte ein CP schon geschlossen, den anderen gab es nicht mehr, so dass wir schliesslich auf dem Trail 98 CP landeten. Der waere sicher nicht unsere erste Wahl gewesen. Aber was soll es, zum Saubermachen, Packen und Duschen war es ok. Mit all diesen "wunderbaren" Taetigkeiten (ausser Duschen) verbrachten wir unseren Nachmittag.

22. Tag
17.09.02
Minus 2 °C kalt war der Morgen. Nach dem Fruehstueck kontrollierten wir ob auch alles eingepackt war. Mit Wehmut im Herzen machten wir uns auf den Weg zur Vermietstation. Ueber dem Yukon lagen noch die Nebelschwaden und der Flugplatz lag auch noch im Nebel. Na hoffentlich ist der verschwunden bis wir abfliegen. An der Station angekommen lief alles ganz unproblematisch ab. Wir erfuhren noch, dass gestern 10 Wohnmobile in Richtung Vancouver gestartet sind und der letzte Kunde sein Wohnmobil am 5.10. abholt. Naja, dann ist es aber schon richtig bitterkalt. Anschliessend wurden wir zum Flugplatz gefahren und nach einer ausfuehrlichen Taschenkontrolle und dem Check-in goennten wir uns noch ein zweites Fruehstueck. Puenktlich um 13:00 Uhr ging es dann los Richtung Anchorage. Schon auf diesem Flug konnte man den Mt. McKinley aus dem Flugzeug sehen. Nach kurzem Aufenthalt in Anchorage ging es dann weiter Richtung Frankfurt. Dabei ueberflogen wir sozusagen den Mt. McKinley. Herrlich wie er so fast wolkenfrei zu sehen war. Mit diesem letzten Eindruck von Alaska versuchten wir dann etwas Ruhe zu finden um einigermassen fit fuer Deutschland zu sein (na ja, geschlafen haben wir wie ueblich kaum). Die letzte Etappe unserer Reise war dann der Flug von Frankfurt nach Muenchen, wo wir wie immer abgeholt wurden.
Deutschland du hast uns wieder. Aber in unseren Gedanken werden wir immer wieder nach Alaska zurueckkehren.